3. Mai 2018

Rezension: Berühre mich. Nicht.






"Berühre mich. Nicht." von Laura Kneidl

LYX

ISBN 9783736305274

12,90€ (Amazon)

Umfang:  ca. 400 Seiten

Inhalt:
Als Sage nach Nevada reist, flüchtet sie vor ihrer Vergangenheit. Hier möchte sie ein neues Leben beginnen und studieren. Doch ihre Erinnerungen lassen sie nicht los und sorgen dafür, dass sie sich beinahe jeden Tag mit ihren Ängsten konfrontiert sieht. Beispielsweise bei ihrem neuen Nebenjob in der Bibliothek, wo sie Luca kennenlernt. Mit seiner Art und seinem Aussehen wirkt er genau wie die Sorte Mann, bei der Sage vor Angst am liebsten den Raum verlassen möchte. Doch ihr eiserner Wille ermöglicht es ihr, den Job durchzuziehen und festzustellen, dass Luca keineswegs derjenige ist, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Als Sage Luca näher kennenlernt, beginnt für sie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, denn Luca löst einerseits noch Angst in ihr aus, doch meistens kommt ein anderes Gefühl zutage, wenn sie ihm begegnet, und das ist Lust. Lust zu lieben, zu vertrauen, berührt zu werden - wäre da nicht ihre Vergangenheit und das, was diese in Sage auslöst, wenn sie berührt wird.

Cover:
Das Cover von Berühre mich. nicht. ist etwas nichtssagend, zumindest bezüglich des Inhalts des Romans. Dennoch ist es optisch ansprechend und schön gestaltet.

Schreibstil:
Berühre mich. nicht. war der erste Roman, den ich vom LYX Verlag und der Autorin Laura Kneidl gelesen habe, weswegen ich nicht so recht einzuschätzen wusste, was auf mich zu kommt. Umso erfreuter war ich, als ich den Roman schließlich gelesen habe (er stand seit November in meinem Bücherregal! Eine Schande!). Denn Laura Kneidls Schreibstil ist wahnsinnig schön. Sie schafft mit ihren Worten eine Angstblase, in der Sage lebt und in die der Leser Einblick bekommt. Leider muss ich sagen, dass der Einstieg etwas schwer war, aber sobald man in der Geschichte drin ist passt der Schreibstil der Autorin sehr gut zum Inhalt des Buches.

Geschichte / Inhalt:
Die Geschichte von Berühre mich. nicht. ist sehr ergreifend. Es handelt sich dabei nicht um eine platte Story mit starren Charakteren. Der Roman hat eine überraschende Tiefe, wofür definitiv der Inhalt und die Umsetzung des Inhalts die Gründe sind. Ich möchte nicht zu viel verraten, deshalb versuche ich, nicht ins Detail zu gehen. Sage hat eine schwierige Vergangenheit aufgrund derer sie Angst vor Männern hat. Sie rennt natürlich nicht schreiend aus dem Raum, sobald sie einen Mann erblickt, aber in ihr herrscht in einer solchen Situation Chaos. Die Autorin schafft es, die Angst, die Sage empfindet, oft durch wichtige Details noch deutlicher zu machen. Beispielsweise beobachtet Sage, wenn sie in der Nähe eines Mannes ist, seine Hände, um darauf vorbereitet zu sein, falls derjenige ihr etwas antun möchte. Durch diese Kleinigkeiten wird Sages Angst spürbar, beinahe greifbar. Allein das war für mich als Leserin sehr ergreifend. Doch dazu kommen eine Hin-und-Hergerissenheit, die Sage empfindet sobald sie Luca kennenlernt, und eine Gefühlswelt, die dem Leser teilweise Gänsehaut verschaffen. An traurigen Stellen musste ich die ein oder andere Träne verdrücken, an lustigen Stellen musste ich schmunzeln und sogar lachen. Die Achterbahn der Gefühle, die Sage durchmachen muss, macht auch der Leser des Romans durch, und das liegt an der Schwere und Tiefe der Geschichte.

Charaktere:
Der Roman beinhaltet verschiedenste Charaktere.
Sage ist die Protagonistin. Sie hat eine schwere Vergangenheit, der sie versucht zu entkommen, indem sie nach Nevada zieht. Sage ist ängstlich, ihr Selbstbewusstsein hat in der Vergangenheit sehr gelitten und dennoch besitzt sie die nötige Stärke ein neues Leben in Angriff zu nehmen und sich "durch den Tag zu boxen". Ich konnte ihre Gefühle gut nachvollziehen und mich gut in sie hineinversetzen, nicht weil ich ihre Situation kennen würde, sondern weil diese so gut beschrieben war.
April ist die erste Person, die Sage in Nevada kennenlernt, und die beiden freunden sich schnell an. Obwohl Sage sich April nicht anvertrauen kann, vertieft sich ihre Freundschaft schnell, sodass April Sage sogar bei sich wohnen lässt, nachdem der Transporter, in dem sie wohnte, ausgeraubt wurde.Mit ihren Eigenschaften, die sie zu einer tollen besten Freundin machen, war mir April natürlich sofort sympathisch.
Luca gibt Sage (ohne es zu wissen) bald nach ihrem Kennenlernen die Kraft, die sie braucht, um wieder zu sich selbst zu finden. Obwohl Sage anfangs Angst vor dem hat, den Luca augenscheinlich verkörpert, merken beide schnell, dass sie einiges gemeinsam haben und gut miteinander reden können. Als schließlich Gefühle ins Spiel kommen,wird es aber alles andere als leichter.
Neben Sage, April und Luca gibt es natürlich noch mehr Charaktere, auf die ich im Weiteren aber nicht eingehen werde. Entweder, weil es sich um Nebencharaktere handelt, oder weil ich ansonsten zu viel verraten würde.

Fazit:
Ich habe Berühre mich. nicht. VERSCHLUNGEN! Keine zwei Tage hat es gedauert, da hatte ich den Roman auch schon wieder beendet. Sages Geschichte hat mich total in ihren Bann gezogen. Fesselnd, humorvoll, romantisch, tragisch, traurig, und und und. Eine - wie bereits gesagt - Achterbahn der Gefühle! Sowohl für die Protagonistin, als auch für die LeserInnen!
Ich empfehle den ersten Band dieser Reihe all den Leseratten unter euch! Lest dieses Buch, ihr werdet es nicht bereuen!

Auch Band zwei habe ich in weniger als zwei Tagen verschlungen. Die Rezension dazu werde ich bald veröffentlichen.

Cover:🌖 (75/100)
Schreibstil: 🌕 (100/100)
Inhalt: 🌕 (100/100)
Charaktere: 🌕 (100/100)
Gesamtpaket:  🌕 (100/100)

Da die Thematik des Romans eigentlich eine sehr ernste ist, möchte ich dazu noch etwas sagen, bevor ich meine Rezension abschließe. Vieles aus dem Buch kann wichtige Ratschläge geben für Leute, in diesem Fall speziell Mädchen und junge Frauen, die ähnliches erfahren mussten wie Sage. Ich kann mir nicht ausmalen, was manche Frauen auf der Welt durchmachen müssen, doch dieser Roman bietet einen kleinen Einblick. An diejenigen, die in der Vergangenheit (oder ganz aktuell) einen Mann in ihrem Leben haben, der euch unterdrückt / körperlich verletzt / seelisch wehtut / ...: Lasst euch nicht unterkriegen. Ihr seid tolle Persönlichkeiten, einzigartig und besonders genau so wie ihr seid. Kein Mann kann euch das nehmen. Trotzdem kann euch geholfen werden, aber nur, wenn ihr redet. Ihr seid nicht Schuld an dem, was euch passiert (ist), und es wird euch auch keiner die Schuld daran geben. Redet mir jemandem.




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