3. Oktober 2019

Rezension: Nachtschwärmer





Auf einen Blick:
Autorin: Moira Frank
Titel: Nachtschwärmer
Verlag: cbj
Format: Hardcover
ISBN:978-3-570-16505-8
Preis: 17,00€
Umfang: 395 Seiten

Inhalt:
Nachdem Helena herausgefunden hat, dass sie einen Halbbruder hat, bleiben ihr nur drei Wochen, um mit diesem Kontakt zu halten. Sie wurde von Lukas auf Facebook gefunden und seitdem schreiben und telefonieren sie jeden Tag. Doch nach drei Wochen stirbt Lukas bei einem Verkehrsunfall. Helena ist am Boden zerstört und hat das Gefühl, diese Trauer mit niemandem teilen zu können, denn bereits vor seinem Tod hatte sie niemandem von Lukas erzählt - auch ihrem Freund Ole nicht. Als die Sommerferien beginnen, beschließt Helena, gemeinsam mit Ole zum Zelten in die Uckermark zu fahren, da Lukas dort gewohnt hat. Ihr Ziel ist es, ohne Lukas aufzuklären, während des Urlaubs die Gelegenheit zu nutzen und alleine Lukas' Grab zu besuchen. Dass sie dort auch seine besten Freunde kennenlernen würde sowie das Mädchen, mit dem er mal zusammen war, hatte sie nicht erwartet. Doch diese Begegnungen sorgen dafür, dass sich beinahe alles in ihrem Leben ändert.

Cover:
Das Cover finde ich persönlich wunderschön. Die dunklen Farben, der Sternenhimmel, die Schriftarten, die darauf verwendet wurden und das Mädchen, dass mit dem Rücken zum Betrachter alleine in der Nacht steht und die Sterne beobachtet - einfach nur gelungen! Und hätte ich das Buch nicht bei einem Gewinnspiel der Autorin gewonnen, hätte ich es mir vielleicht aufgrund des Covers gekauft (ja, ich gestehe, dass ich ein Coverkäufer bin!).

Schreibstil:
Leider fangen mit dem Schreibstil schon meine negativen Eindrücke an. Der Schreibstil von Moira Frank hat mir zwar ganz gut gefallen, solange Handlungen geschildert wurden, doch sobald es zur wörtlichen Rede kam, konnte dieser mich nicht überzeugen. Die Autorin verwendet für den Ausdruck der jugendlichen Protagonisten (alle so zwischen 16 und 18) ausschließlich Jugendsprache. In gewissem Maße würde das tatsächlich passen, doch meiner Meinung nach wird es hier etwas übertrieben. Erstens sprechen 17- / 18-Jährige nicht sooo extrem in der Jugendsprache, und zweitens: selbst wenn sie es täten, stört es den Lesefluss. In vielen Roman und Jugendromanen geht es um jugendliche oder junge Erwachsene, doch wird nur sehr selten die Jugendsprache als Ausdrucksform verwendet, und das aus einem guten Grund (der sich hier in Nachtschwärmer leider feststellen lässt): es stört beim Lesen, sorgt für holprige Sätze oder dafür, dass man einen Satz ein zweites Mal lesen muss, da die Satzstruktur auf übertriebene Art und Weise der gesprochenen Sprache entspricht und nicht der geschriebenen.

Geschichte:
Leider hört es mit den negativen Eindrücken nicht bei dem Schreibstil auf. Die Geschichte ist zäh, es passiert beinahe nichts nennenswertes und es entstand für mich kein einziges Mal ein Spannungsbogen. Es geht einfach bloß darum, wie Helena die Freunde von Lukas kennenlernt, sich mit ihnen anfreundet, ihre Trauer verarbeitet, einen Sommer in der Uckermark verbringt und ein etwas aufregenderes Leben kennenlernt - was bedeuten muss, dass ihr bisheriges Leben in Berlin recht eintönig gewesen sein muss, denn in der Uckermark tut sie nicht viel anderes als zu zelten, Kanu zu fahren, mit dem Auto von einem von Lukas' Freunden durch die Gegend zu fahren, das Grab ihres Halbbruders zu besuchen und in einem Maisfeld einen Kornkreis zu errichten. Aufgrund der fehlenden Spannung muss ich also sagen, dass in Nachtschwärmer einfach bloß der Sommer eines Mädchens beschrieben wird.

Charaktere: (Spoiler)
Neben Helena und ihrem Freund Ole lernen wir als Protagonisten die Freunde von Lukas kennen, Viktor und Mike, sowie ein Mädchen, das einmal mit Lukas zusammen war, Clara.
Die Geschichte wird aus Helenas Sicht erzählt, sodass wir einen guten Einblick in ihre Gefühlswelt kriegen. Diese ist natürlich gerade im Chaos versunken, nachdem ihr Halbbruder gestorben ist. Helenas Trauer ist auf jeden Fall greifbar und wird gut rüber gebracht. Auch ihre Entscheidungen und Handlungen werden von ihrer Trauer beeinflusst, doch leider waren für mich einige ihrer Handlungen nicht nachvollziehbar. Dafür würde ich gerne ein Beispiel nennen: Helena und Ole zelten auf einem Campingplatz an einem See. Am zweiten Tag kommen - für Helena überraschend - die beiden besten Freunde von Ole zu Besuch, was dieser vorher nicht angekündigt hatte. Er entschuldigt sich mit der Aussage, dass diese ja nur für eine Nacht bleiben würden. Helena geht es am Nachmittag nicht gut, woraufhin sie sich ins Zelt legt, um sich auszuruhen. Die drei Jungs sitzen anfangs vor dem Zelt und grillen, wobei sie (so wie ich es sehe) über Helena lästern, obwohl diese zuhören kann. Dann beschließen die drei Jungs, Kanu zu fahren. Als sie nicht wiederkommen, nutzt Helena die Gelegenheit, um alleine zu Lukas Grab zu gehen. Als sie wiederkommt, haben die Jungs die Schlafsäcke und alles (außer das Zelt) mitgenommen, um irgendwo anders am See Lagerfeuer zu machen und zu schlafen. Und Helena? Die wurde von ihrem Freund Ole vergessen und zurückgelassen und ist noch nicht mal sauer auf ihn. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.
Viktor und Mike sind ganz lustig und auch sympathisch. Vor allem Viktor besitzt mehr Menschenkenntnis als Helena und sagt ihr, nachdem er Ole das erste Mal kennengelernt hat, dass sie mit ihm Schluss machen sollte. Insgesamt kümmern sie sich sehr umeinander und um Helena, was mit gut gefallen hat.
Ole hat mir überhaupt nicht gefallen, was natürlich von der Autorin beabsichtigt war.
Zu Clara möchte ich an dieser Stelle nichts sagen, um nicht ZU VIEL zu spoilern.

Fazit:
Nachtschwärmer von Moira Frank konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Die erste Hälfte ließ sich noch ganz gut weglesen, da man dort immernoch damit gerechnet hat, dass irgendwann etwas super spannendes passiert. Ab der Hälfte gibt man dafür aber leider die Hoffnung langsam auf, sodass auch das Lesen etwas zäher wurde. Die Geschichte zieht sich - aus den genannten Gründen - leider sehr in die Länge und wem der Schreibstil nicht zusagt, der kann dann mit Nachtschwärmer - so wie ich - leider überhaupt nichts anfangen. 
Wen es nicht stört, dass die Geschichte etwas seichter ist und dass die wörtliche Rede beinahe ausschließlich in Jugendsprache verfasst ist, dem könnte das Buch aber gefallen und dem würde ich auch empfehlen, es damit zu versuchen, denn jeder soll sich ja seine eigene Meinung über ein Buch bilden können.
Gut war, dass ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass das Buch so umstritten ist, sodass meine Meinung dadurch nicht beeinflusst werden konnte.

Bewertung:
Cover: 🌕 (100/100)
Schreibstil: 🌘 (25/100)
Geschichte: 🌘 (25/100)
Charaktere: 🌗 (50/100)
Gesamtpaket: 🌘 - 🌗(25-50/100)

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