20. September 2017

Rezension: Einzig

Stell dir vor, dein Leben dauert nur 365 Tage.
Danach lebt jemand anderes dein Leben weiter.
Denn du bist nicht allein.
Du bist nicht einzig.
Du bist nur eine von vielen.
Und dir rennt die Zeit davon.
("Einzig" von Kathryn Evans, Fischer Verlag)





"Einzig" von Kathryn Evans

Fischer

ISBN 978-3-7335-0297-3

12,99€

Umfang: 362 Seiten

Inhalt:
Teva ist die 16-jährige Version ihres Ichs. Sie löst sich von ihrer 15-jährigen Version ab, die in Zukunft - genau wie die neun anderen Versionen von Teva (welche im Alter von 6 bis 14 sind) - den Rest ihrer Zeit in dem alten und abgeschotteten Haus verbringen muss, in dem sie leben. Teva hat nun genau ein Jahr Zeit, bis Siebzehn sich von ihr abspalten und ihr Leben übernehmen wird. In diesem Jahr darf sie das Haus verlassen, zur Schule gehen und unter ihren Mitmenschen leben. Fünfzehn ist unglaublich sauer, sie fühlt sich betrogen, da Teva, also die 16-jährige Teva, ihre beste Freundin Maddy und ihren festen Freund Ollie "übernimmt". 
Teva ist mit der Situation nicht zufrieden und fängt an, unauffällig nach Hilfe zu suchen. All das führt zu großen Schwierigkeiten, sowohl mit ihrer Mutter, die dieses unglaubliche Geheimnis hüten und die Mädchen beschützen will, als auch mit Fünfzehn, Maddy, Ollie und dem gutaussehenden und überhaupt nicht schüchternen Tommo. Doch Teva ist fest davon überzeugt, ihr Leben zu leben, und zwar länger als nur ein Jahr lang.

Cover:
Das Cover des Buches ist wirklich interessant gestaltet, sofern man weiß worum es geht. Wir sehen das Gesicht eines Mädchens, das am Titel des Romans gespiegelt wird. Dadurch entstehen zwei "Versionen" desselben Mädchens, was natürlich ausgesprochen gut zum Inhalt von Einzig passt. Die silbrig glänzende Oberfläche wirkt zusätzlich ansprechend. 

Schreibstil
Der Schreibstil von Kathryn Evans gefällt mir, er ist einfach und schlicht, aber vollkommen passend für diese Geschichte, da dem Leser so auf verständlichem Weg diese komplexe Welt - und vor allem Gefühlswelt - nahe gebracht wird. 

Geschichte / Inhalt:
Bevor ich zu den Charakteren komme, muss ich etwas zum Inhalt des Buches loswerden. Ich gebe zu, dass es der Roman von Kathryn Evans nicht geschafft hat, mich zu begeistern. Ich war Anfangs eine ganze Zeit lang hin und her gerissen, ob ich die Idee hinter der Geschichte für komplex und extrem (im positiven Sinne) halte, oder doch eher für zu abgedreht und "abgespaced",wie ich gerne sage. Leider muss ich sagen, dass auch nach Beenden des Buches meine Meinung eher zu abgedreht neigt. Ich bin mir sicher, dass hinter Einzig eine riesen Menge an Überlegungen steckt, und ich habe eine solche Geschichte bisher noch nie gelesen (was wirklich etwas heißen will, denn heutzutage finden sich in beinahe jedem Jugendroman Ähnlichkeiten zu anderen Romanen), aber dennoch hat mir das Buch nicht so gut gefallen. 

Charaktere:
Charaktere gibt es natürlich viele, alleine schon aufgrund der 6-, 7-, 8-, 9-, 10-, 11-, 12-, 13-, 14-, 15- und 16-jährigen Version von Teva. Was ich hier schön fand, ist, dass sich jede einzelne Version ihrem Alter entsprechend verhält und zu ihrem Alter passende Eigenschaften besitzt. Dadurch sind sie sehr unterschiedlich. So ist die 8-jährige Teva eine begeisterte Detektivin und ein großer Fan der "Fünf Freunde"-Reihe, Vierzehn ist mürrisch, Zwölf und Dreizehn sind beinahe wie Zwillinge und verbringen ihre Zeit in dem großen Haus größtenteils zusammen, Sieben bewundert Vierzehn für ihre Coolness, Elf ist ein Fan von Harry Potter, Sechs ist zurückhaltend und schüchtern und Fünfzehn ist einfach nur wütend über ihr Schicksal. Insgesamt bieten also allein diese 11 Versionen von Teva eine gute Mischung an Charakteren. 
Tevas Mutter war mir von Anfang an unsympathisch, da es ihr bloß darum geht, die Mädchen Zuhause zu halten und sie zu verstecken, was mehrere von ihnen zurecht als Einsperren empfinden. 
Maddy ist eine typische beste Freundin, wie sie in vielen Büchern zu finden ist. Ein bisschen abgedreht und dem Leser vom ersten Augenblick an sympathisch. 
Ollie tat mir beim Lesen leid. Er ist total verliebt in Teva, aber eben in die 15-jährige Teva, die sich charakterlich von der 16-jährigen Teva unterscheidet. Das führt unweigerlich zu kleinen Krisen in ihrer Beziehung, die sich Ollie aber nicht wirklich erklären kann. Auch wenn er hin und wieder etwas dummes sagt oder tut, ist er doch ein guter Charakter in diesem Buch.
Es bleibt bloß noch ein wichtiger Charakter, und das istTommo. Tommo habe ich sofort gemocht, er ist ziemlich überzeugt von sich selbst, aber trotzdem sehr nett und lustig, weshalb auch Teva ihn interessant findet. 

Fazit:
Wie bereits gesagt hat mir Einzig leider nicht gefallen. Das liegt einfach daran, dass ich die Geschichte zu abgedreht finde und auch die Auflösung zu lange auf sich hat warten lassen. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass die Charaktere gut ausgearbeitet sind und das Ganze schön geschrieben ist. 
Wem diese Geschichte also nicht zu verrückt ist, dem empfehle ich natürlich, Einzig selbst einmal zu lesen!

Cover:🌖 (75/100)
Schreibstil: 🌖 (75/100)
Inhalt: 🌗 (50/100)
Charaktere: 🌖 (75/100)
Gesamtpaket: 🌗 (50/100)

Eure Anna

11. September 2017

Rezension: Diabolic - Vom Zorn geküsst

Eine Diabolic ist stark.
Eine Diabolic kennt kein Mitleid.
Eine Diabolic hat eine einzige Aufgabe: 
Töte, um den einen Menschen zu schützen, 
für den du erschaffen wurdest.
("Diabolic - vom Zorn geküsst" von S. J. Kincaid) 






"Diabolic - Vom Zorn geküsst" von S. J. Kincaid

Arena

ISBN 978-3-401-60259-2

18,99€

Umfang: 488 Seiten

Inhalt:
Nemesis ist eine Diabolic. Eine tödliche Waffe in menschlicher Gestalt, deren einziger Daseinsgrund der Schutz einer einzelnen Person ist. Eine Waffe, geschaffen ohne die Fähigkeit, eigene Gefühle zu entwickeln. Sie kann nur einem Menschen gegenüber Liebe empfinden, und das ist Sidonia Impyrean, für die Nemesis ihr Leben geben würde. Doch als Nemesis an Sidonias Stelle an den Kaiserhof geschickt wird, begegnet sie Tyrus, dem Thronfolger des Imperiums, und alles ändert sich.

Cover:
Das Cover von Diabolic finde ich durchaus ansprechend. Zwar sagt es nicht wirklich viel über das Buch an sich aus, doch die metallisch schillernen Farben lassen das Gesicht der Frau schön und geheimnisvoll wirken - was letztendlich wohl auf Nemesis' Rolle passen könnte. Für mich persönlich hat das Cover ausgereicht, um das Buch in meiner Buchhandlung aus dem Regal zu nehmen, zu kaufen und zu lesen.

Schreibstil:
Der Schreibstil von S. J. Kincaid schafft Hand in Hand mit dem Inhalt von Diabolic ein wirklich schönes Leseerlebnis. Wir erleben die Welt der fernen Zukunft durch die Augen von Nemesis, eine Diabolic, die auf ihrer Reise etwas Bedeutendes über ihr inneres Selbst herausfindet. Kincaid führt uns durch Nemesis' brutale Kindheit und nach einem Zeitsprung durch ihre Jugend und viele neue Erfahrungen, die sie am Kaiserhof macht. Da Diabolics - abgesehen von ihrer Liebe zu der Person, auf die sie geprägt wurden - relativ gefühlskalt sind, ist es unglaublich interessant, wie sich Nemesis' Sicht auf die Dinge äußert und an gewissen Stellen auch verändert. Der Autorin gelingt es ausgesprochen gut, diese doch sehr speziellen Gedanken der Diabolic darzustellen.

Charaktere:
Besonders interessant an diesem Buch finde ich die Charaktere, allen voran natürlich Nemesis. Wie bereits erwähnt führt S. J. Kincaid uns als Leser so gelungen durch ihre Gedankenwelt, dass ich von Anfang an Nemesis' Gedankengänge nachvollziehen und mitfühlen konnte. Gerade ihre große Wandlung hat mir gut gefallen, da insbesondere ihre innere Zerissenheit deutlich wird.
Tyrus hat mich ebenfalls fasziniert. Allerdings traue ich mich nicht, an dieser Stelle noch mehr zu seiner Person zu schreiben, da es mir fernliegt zu viel zu verraten und diejenigen unter Euch, die Diabolic noch nicht gelesen haben und dies vielleicht noch tun wollen, zu spoilern.
Das gleiche gilt für Donia (Sidonia Impyrean). Das Einzige, worauf ich hier eingehen möchte, ist ihre Warmherzigkeit und Herzensgüte, die sie zu einem Charakter machen, den man als Leser von dem ersten Moment an lieben muss.

Fazit:
Während ich Diabolic gelesen habe, fiel es mir nicht leicht, an die ausstehende Rezension zu denken. Das lag daran, dass das Buch mit seinen 488 Seiten sehr lang ist und es an einigen Stellen - zumindest meiner Meinung nach - etwas zäh zu lesen war. Auf den ersten 100 bis 200 Seiten wird viel Neues eingeführt und erklärt, was natürlich auch notwendig ist, wenn es um eine Geschichte in der fernen Zukunft geht. Dennoch hat es bei mir eine ganze Zeit lang gedauert, bis mich das Lesefieber gepackt hat (was allein daran zu sehen ist, wie lange ich zum Lesen gebraucht habe). Das soll aber keineswegs heißen, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Mir hat, wie gesagt, vieles sehr sehr gut gefallen, vor allem die Charaktere und auch der Inhalt, weswegen es für mich unmöglich ist festzumachen, woran es letztendlich gelegen hat, dass Diabolic mich zu Anfang nicht in seinen Bann ziehen konnte.
Nach Beenden des Buches muss ich aber sagen, dass es insgesamt gut gelungen ist und S. J. Kincaid eine wirklich schöne und runde Geschichte gestaltet hat. Ich denke aber, dass es ausgesprochen gut als Einzelband herhalten würde, weswegen ich etwas skeptisch gegenüber dem Rest der ausstehenden Trilogie bleibe.

Cover:🌗 (50/100)
Schreibstil: 🌖 (75/100)
Inhalt: 🌕 (100/100)
Charaktere: 🌕 (100/100)
Gesamtpaket: 🌖 (75/100)

Ich wünsche euch eine schöne Woche!
Eure Anna

1. September 2017

Rezension: Roofer

 "Hoch oben auf den Dächern gehört die Stadt dir!
Hier oben bist du absolut frei.
Hier oben kannst du alles verlieren."
(Klappentext, 'Roofer' von Jutta Wilke)


"Roofer" von Jutta Wilke

Coppenrath

ISBN 978-3-649-61509-5

14,95€

Umfang: 251 Seiten

Inhalt:
Alice will eigentlich nichts anderes, als die freie Zeit außerhalb der Schule mit ihrer besten Freundin Nasti genießen. Aber Nasti hat sich Hals über Kopf in Trasher, einen der bekanntesten Roofer der Stadt verliebt, und verbringt ihre Zeit lieber mit der coolen Clique um ihn herum als mit Alice alleine. Um ihrer Freundin nahe sein zu können, schließt sich Alice ihr an und gerät so in die gefährliche Welt der Roofer. Schnell wird ihr klar, dass Trasher, sein Rivale Adrian und der Rest der Clique aus freien Stücken immer und immer wieder ihr Leben riskieren und ein großes Ding nach dem anderen planen. Anfangs kommt sie nur deswegen mit zu den Treffen, weil Nasti es so möchte. Doch als Alice den faszinierenden Nikolas kennenlernt, findet sie ganz von alleine Interesse an der Clique - bis eine gefährliche Mutprobe alles ins Chaos stürzt, mit Alice und ihrer Freundin Nasti mittendrin.

Cover:
Das Cover von Roofer passt perfekt zum Inhalt des Buches. Zu sehen sind die Hochhäuser der Stadt und über ihnen ein Junge, der einer der Hauptcharaktere ist, gut zu erkennen an seinen für ihn bekannten roten Schuhen.

Schreibstil:
Roofer ist nicht der erste Jugendroman, den ich von Jutta Wilke lese, daher bin ich mit ihrem einfach gehaltenen Schreibstil sehr gut vertraut. Dadurch lässt sich das Buch gut lesen und der Autorin gelingt es dennoch mit einfachen Mitteln Spannung aufzubauen.
Der Roman ist - bis auf wenige Ausnahmen - aus der Sicht von Alice geschrieben, wodurch ihre Gefühle gut zum Ausdruck kommen. Die Ausnahmen sind kurze Kapitel, die Jutta Wilke immer wieder einbaut, um eine Situation aus der Sicht von Nikolas zu beschreiben. Gerade am Anfang ist dies interessant, da Alice und Nikolas sich erst etwa bei der Hälfte des Buches kennenlernen, und der Leser so aus zwei Sichten miterleben kann, wie zwei Schicksale zusammen geführt werden.

Charaktere:
Die Charaktere wirken alle ausgesprochen authentisch. Es gelingt Jutta Wilke sehr gut, den Wunsch nach Freiheit und all die anderen Sehnsüchte der verschiedenen Charaktere darzustellen. Ganz besonders das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen der Angst, ausgelöst durch die Vernunft, und dem Reiz des Neuen und der Gefahr.
Das wird natürlich gerade bei Alice sehr deutlich. Ihr Kopf sagt ihr immer wieder wie gefährlich und verrückt das Ganze ist, doch die Faszination ist an vielen Stellen zu groß, und selbst in Augenblicken größter Gefahr, in denen selbst die Faszination aussetzt, kann sie nicht wegsehen. Das lässt Alice als Protagonistin menschlich und authentisch wirken.
Mit Nastis Charakter konnte ich mich persönlich nicht anfreunden, aber vielleicht ist es auch genau das, was die Autorin bezweckt. Ihre Art sich Trasher zu unterwerfen, sich klein zu machen, gefällt mir gar nicht, ist aber durchaus realistisch.
Die unterschiedlichen Charaktere der Roofer gefallen mir alle sehr gut. Als Leser glaubt man zu verstehen, was sie fühlen und denken, und warum sie sich immer wieder aufs Neue in Lebensgefahr begeben. Jutta Wilke schafft es, den sogenannten "Kick" sehr glaubwürdig darzustellen.

Fazit:
Insgesamt finde ich, dass Roofer sehr gelungen ist. Es gibt kleine Kritikpunkte, wie zum Beispiel, dass mir die "Romanze" zwischen Alice und Nikolas zu schnell ging. Kaum hatten sie sich kennengelernt wirkten sie schon wie ein Paar. Außerdem hätte sich die Handlung etwas länger aufbauen können. Deswegen glaube ich, dass das ganze Buch insgesamt einfach etwas zu kurz ist mit seinen 251 Seiten.
Nichtsdestotrotz habe ich Roofer förmlich verschlungen! Es hat kaum einen Tag gedauert, da hatte ich den letzten Satz des Epilogs beendet. Trotz der etwas zu kurz gefassten Handlung hat es an Spannung keineswegs gefehlt, weswegen ich Roofer guten Gewissens weiterempfehle!

Cover: 🌕 (100/100)
Schreibstil: 🌖 (75/100)
Inhalt: 🌕 (100/100)
Charaktere: 🌕 (100/100)
Gesamtpaket: 🌖 (75/100)

Viele Grüße,
Eure Anna